Lappland, Rentiere und Nordlichter

Der nördliche Teil von Finnland ist das Zuhause der Rentiere und den schönen Nordlichtern. Dies zu sehen war ein großes Ziel meiner Reise.

Je weiter man in den Norden von Finnland fährt, desto mehr verändert sich die Natur. Es leben dort im Norden in Lappland weniger Menschen als im Süden von Finnland. Das bedeutet auch, dass es viel weniger Geschäfte und Tankstellen gibt, je weiter man sich nördlich bewegt. Eine gute Vorratshaltung und Planung ist dann wichtig, da fehlendes nicht einfach an jeder Ecke zu bekommen ist.

A) Vatunki Fishing Harbor

Ich habe kurz nachgerechnet und festgestellt, dass ich nun schon über 8000 km unterwegs bin. Es ist schön, dass ich die Zeit dazu habe, in Ruhe zu Reisen und nicht hetzen muss.

Von Oulu ging es weiter Richtung Ii. In Finnland gibt es viele Fischerei- und Jachthäfen und in der Nähe von Ii war so ein Ort verbunden mit einem Windpark. Hier verbrachte ich eine unruhige Nacht, weil’s ständig so klingt als ob eine Waschmaschine läuft – wegen der drehenden Flügel der Windräder.

B) Paakkola Playground

Bei Tervola war ein kleiner Spielplatz mit Picknick Hütte. Immer häufiger habe ich diese Kombination aus traditioneller finnischer Grillkota mit Feuerstelle, dazu ein Häuschen für Feuerholz und Naturtoilette gesehen. Ein Ortsverband kümmert sich darum und jeder kann herkommen und beispielsweise seine gefangenen Fische zu grillen.

C) Weihnachtsmanndorf

Etwas nördlich bei Rovaniemi ist das Weihnachtsmanndorf. Das ganze Jahr kann man vorbeikommen, eine der Hütten mieten oder auf dem Camper Parkplatz übernachten.

Jetzt als ich im Spätsommer da war, liegt natürlich kein Schnee, aber dafür läuft auch die ganze Zeit Weihnachtsmusik, man könnte auch ein Rentiergehege und Huskies besichtigen. Dazu gibt es unzählige Souvenir Läden mit Kitsch, aber auch einheimische Produkte wie Holzbecher, Socken und Mützen, oder Rentierfelle und Rentierfleisch in Dosen.

Ich kann mir gut vorstellen, dass hier im Winter richtig viel los ist, aber im Spätsommer war es doch überschaubar mit einigen Reisebussen, Autos und Wohnmobile.

Ebenfalls im Weihnachtsmanndorf ist der Polarkreis auf 66° 32′ 35″ nördlicher Breite. Ab hier geht an den Tagen der Sonnenwende die Sonne nicht auf bzw. unter. Es ist also dann den ganzen Tag dunkel oder durchgehend hell, je nach Jahreszeit.

D) Lohiniva

Übernachtet habe ich bei Lohiniva auf einem Waldparkplatz. Es gibt einen Kamin und Laavu, Feuerholz, Mülleimer und Trockentoilette. Aber es gab auch noch einige Mücken direkt am Wasser, wenngleich jetzt im Spätsommer die Anzahl deutlich weniger ist als im Hochsommer. Da habe ich zeitlich Glück, aber doch einige Stiche abbekommen.

E) Sirkka

Weiter ging die Fahrt Richtung Sirkka, wo das Skigebiet Levi ist. Auch kann man in der Gegend gut wandern jetzt im Spätsommer. Hier habe ich auch das das erste mal Rentiere gesehen, die frei in der Natur rumlaufen. Die Rentiere sind neugierig und vorsichtig, aber nicht so schreckhaft wie Hirsche, was entlang der Autostraßen immer zu Überraschungen führen kann.

F) Utkujärvi

Ein schöner Parkplatz neben der Straße am See Utkujärvi mit herrlichem Blick über das Wasser auf die Berge. Trotz der Nähe zur Hauptstraße ist es nachts ruhig, da kaum jemand unterwegs ist.

G) Gevaliantie

Bei Gevaliantie ist ein kleiner Fischeranleger und ein Rentiergehege nebenan. Aber alles war etwas verlassen und leicht verfallen. Vielleicht weil die Saison zuende ist. Die Aufschrift auf dem Schild sagt “Mindestabstand von 50m zwischen den Autos”. Der Platz war dafür viel zu klein, und vielleicht ist es die finnische Art zu sagen, dass nur ein Auto erlaubt ist.

H) Enontekis

Direkt am Wasser hab ich einen Parkplatz gefunden, wo man das Wasser sehr laut rauschen hören konnte durch den nahen Wasserfall. Auf der anderen Flussseite ist schon Schweden. Die Landschaft hat sich nochmal verändert und es wird langsam Herbst; die Blätter färben sich gelb und es sind sehr wenige Menschen unterwegs. Abends hat es nur noch 5 Grad und ich habe jetzt häufiger meine Standheizung im Camper Bus an.

I) Kilpisjärvi

Das eigentliche Ziel meiner Reise ist Kilpisjärvi, da es hier statistisch die höchste Chance gibt die Nordlichter zu sehen. Im Kilpisjärvi Visitor Center habe ich auch Tipps für gute Plätze dazu bekommen. Allerdings muss man dann auch noch Glück haben mit dem Wetter, klare Sicht auf den Himmel und der Sonnenwind gibt eine Wahrscheinlichkeit vorraus. Erst für in drei Tagen vor Ort hat die Polarlicht App eine über 50% Chance voraus gesagt, also war genug Zeit die Gegend im Wandern zu erkunden.

Beim See Tsahkaljärvi gibt es viele Wasserfälle zu sehen. Der Weg ist gut ausgebaut mit einem breiten Kiesbett, so dass man nicht querfeldein laufen darf.

Ein Geheimtipp für Kilpisjärvi ist am See Tsahkaljärvi, wenn man südlich am Seeufer entlang läuft, gegenüber dem Berg Saana, dann findet man nach 10 Minuten ein altes verlassenes Holzboot.

Jetzt wird es Herbst in Lappland. Aus kleinen Wanderwegen kann das Umland von Kilpisjärvi erkundet werden. Die Landschaft wird herbstlich bunt, Wasserläufe und Birken sind überall. Einfach traumhaft.

Der Berg Saana ist mit seinen 1029 Meter der Höchste in der Umgebung. Der Wanderweg ist gut ausgeschildert und anfangs breit ausgebaut. Wie eine Treppe in den Himmel geht es nach oben auf den Berg. Danach muss man sich selber seinen Weg suchen. Rot markierte Steine und Holzpfosten im Boden zeigen den Pfad an. Oben angekommen ist ein silberner Briefkasten, wo ich mich auch im Gästebuch eintragen habe. Die Aussicht rundum ist herrlich. Ich hatte noch drei Tage später Muskelkater in den Beinen.

Und endlich habe ich die Nordlichter gesehen. In der Nähe vom Berg Saana fand ich eine kleine Kuhle. So sind, etwas vom kalten Wind geschützt, die tollen Aufnahmen entstanden.

Dann hatte ich nochmal Glück und direkt an meinem Parkplatz war ein Spektakel der Polarlichter zu beobachten. Rundum, über mir, von einem Berg zum anderen Horizont. Es war einfach magisch. Dafür hat sich die Reise gelohnt.

Zugegeben, dass ich nach Kilpisjärvi fahre und dort auch sofort die Nordlichter sehe war kein Zufall, sondern dem ging eine lange Recherche und Planung vorraus. Im Einzelnen:

  • Die beste Zeit für Nordlichter ist September bis Oktober sowie Februar bis März, in Kilpisjärvi ist die Wahrscheinlichkeit mit fünf Tagen die Woche am höchsten. (Quelle)
  • Während in Kilpisjärvi im September/Oktober noch Herbst ist, wäre es Februar/März schon Winter und somit unangenehmer draußen zu schlafen. (Quelle)
  • Oberhalb des Polarkreises wird es im Sommer nicht dunkel, aber Nordlichter sind erst gut bei Dunkelheit zu sehen. Erst ab September gibt es wieder für einige Stunden eine Nacht. (Quelle)
  • Nicht jeden Tag sind die Aurora Borealis zu sehen und die dazu nötigen geomagnetische Störungen sagen etwas über die Wahrscheinlichkeit des Auftretens aus. (Quelle)
  • Eine Vorhersage für die nächste Stunde hilft bei der Erwartungshaltung ob es Nordlichter geben könnte. (Quelle)
  • Mit der Polarlicht App bekommt man direkt eine Benachrichtigung, wenn in den nächsten 30 Minuten die Chance besonders gut ist.

Ich freue mich über einen Kommentar, vielleicht warst du schon mal in Lappland?

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Hello World! Ich bin Andreas Peichert und entwickle und programmiere Software seit 2000. Zurzeit arbeite ich nicht als Senior System Engineer & Consultant und mache ein Sabbatical.

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